Transkript - Schreiben mit Tonia

 
Lisa: Hallo und herzlich willkommen zum spoken german podcast. Mein Name ist Lisa, ich bin Deutschlehrerin und ich möchte euch mit diesem Podcast helfen, euer Hörverständnis zu trainieren. Für diese Spezialepisode habe ich meine Freundin Tonia zum Thema Schreiben befragt. Tonia schreibt gern Geschichten und beschäftigt sich daher schon seit langer Zeit mit dem Thema Kreativem Schreiben. Als erstes fragte ich Tonia, wann sie mit dem Schreiben angefangen hat.

Tonia: Ja, ich glaub, so’n richtiges Datum oder Jahr fällt mir jetzt nicht ein. Ich weiß nur, dass ich eigentlich schon immer gern geschrieben hab, sei es jetzt, keine Ahnung, in der Grundschule, so Aufsätze, da hatte ich von der Lehrerin so „oh schön,“ ne, Lob bekommen, unter dem Aufsatz, und einfach Geschichten erzählt. Aber so richtig… den ersten Roman hab ich mal mit 21, glaub ich, angefangen, hab den aber leider nie beendet. Also ich hab damals dann auch das Studium begonnen, uff, ja, natürlich musste ich dann Hausarbeiten schreiben und so’n Kram, so dass mir, glaub ich, nicht so viel Zeit blieb. Tagebuch hab ich oft geschrieben, und Gedichte, ne, diese typischen Teenagergedichte, wahrscheinlich wie schrecklich das Leben ist. Und dann hab ich, auch in meinen Zwanzigern, bei der Rheinpfalz, das ist 'ne lokale Zeitung bei uns, eben gearbeitet als Freiberuflerin während des Studiums, weil ich dachte, „oh okay, ich schreib gern, also werd’ ich Journalistin!“ Aber irgendwie war das dann doch nichts, ich hab dann gemerkt, „hmm, ich schreib eigentlich gern Geschichten, ich erfinde gerne Geschichten,“ also ich wollte da eigentlich mehr Fantasie einbringen und nicht Fakten und eben dieses wissenschaftliche und journalistische Schreiben, und dann hab ich’s eben auch irgendwann gelassen. Ansonsten hab ich dann zehn Jahre später – ich glaub, ich hab wirklich lange nichts mehr gemacht, vielleicht ab und an [ein] bisschen was geschrieben – da wollte ich das wirklich ernster nehmen und dann hab ich mich bei so 'ner Online-Community eingeschrieben, wo man eben seine Geschichten teilt und Kritiken schreibt und auch welche bekommt, und eben übers Schreiben spricht und diskutiert, das war echt ganz schön, da bin ich auch immer noch, nach fünf Jahren.
Lisa: Cool! Wie heißt das Forum?
Tonia: Scribophile heißen die.
Lisa: Ah, die hab ich auch mal genutzt, ein paar Monate zumindest.
Tonia: Also am Anfang hab ich wirklich viel gelernt, weil ich sah die Fehler der anderen sozusagen in meinem eigenen… in meinen eigenen Texten, aber nach fünf Jahren, ne, ist immer das Gleiche eigentlich: Thema Charaktere, oder: hast du zu wenig Beschreibungen, hast du zu viele? So was seh ich halt jetzt und weiß, hmm, kann ich jetzt verbessern, aber im Moment bin ich da nicht so oft. Für Kritiken ist das gut, also ich poste da manchmal Kurzgeschichten, aber so Romane oder so was, das hab ich jetzt nicht gemacht. Aber ja, ich hab mir das dann vorgenommen, das irgendwie ernster zu nehmen und hab mich damals für einen Master in Kreativem Schreiben angemeldet und das war echt gut, also das ging zwei Jahre halbtags, online. Also das war so’n distant learning Ding aus England und das war echt nicht schlecht. Da hab ich gemerkt, okay, jetzt wird’s ernst, also ich will es wirklich verfolgen und ja, und seitdem schreib ich regelmäßig, also ich hab ja jetzt auch vor ein paar Wochen meinen ersten Roman beendet.
Lisa: Woohoo!
Tonia: Endlich! Also das war jetzt echt 'ne lange Zeit, aber ich hab halt nicht jeden Tag daran gearbeitet. Also so on und off waren es so zwischen vier [und] fünf Jahre. Und ja, hat sich auch viel geändert seitdem an der Geschichte. Der Anfang hat sich tausendmal geändert, das Ende weniger. Ich glaube, ich weiß eigentlich so oft, wie es endet, also, das ist, ja, so mein Ding, ich hab da irgendwie so’n Bild im Kopf, und so endet es, und dann kann man so darauf hinarbeiten. Aber es war schon voll die harte Arbeit, aber ich bin echt froh, ich bin jetzt stolz darauf, und warte jetzt auf Feedback von ein paar Leuten, die das lesen, und dann will ich im Januar mal ein paar Agenten kontaktieren. Ich bin gespannt.
Lisa: Ich drück dir fest die Daumen!
Tonia: Ja, vielen Dank! Ja, es ist auf jeden Fall 'ne interessante Reise.
Lisa: Ja, echt spannend! In welchen Genres schreibst du gern? Gibt’s bestimmte Genres, die du am liebsten schreibst?
Tonia: Bei mir ist [es] halt so, ich probier' viel aus. Ich hab bestimmt schon was mit Horror geschrieben, Romanzen hab ich geschrieben, Science Fiction hab ich sogar einmal probiert. Erotica hab ich auch sogar mal geschrieben. Das ist echt lustig und es macht halt Spaß, verschiedene Sachen auszuprobieren, aber ich glaub, so mein Haupt… – wobei, Genre kann man’s, glaub ich, nicht nennen, [es] ist eher 'ne Marketingkategorie – ist Jugendbuch. Also, Geschichten eben für Jugendliche mit jugendlichen Protagonisten. Ich weiß auch nicht, warum. Aber das ist so mein Ding. Ich find', da kann man ganz viel machen, weil [es] ist halt 'ne spannende Zeit. Und Teenager sind ja auch nicht grad vernünftig, zumindest nicht viele, eben weil sie grad diese Veränderung durchmachen und das Gehirn sich auch irgendwie verändert und man einfach, ja, so’n bisschen verantwortungslos ist, die können nichts dafür. Aber so entwickeln sich halt interessante Konflikte und interessante Plots einfach und ja, das fasziniert mich so, aber ansonsten, ja, ich probier' mich in letzter Zeit halt auch in Flash Fiction, was diese ganz kurzen Geschichten sind, oder ‚Mikrogeschichten‘ nennen die sich auch, und die sind so bis zu 1000 Wörter lang, ist auch super lustig, das ist auch nicht einfach, du musst wirklich 'ne Geschichte erzählen in so 'ner kurzen Zeit. Also die Details können da echt raus, aber die, die drin sind, sollten schon 'ne Wucht haben, ja, und auch die Beschreibungen, es darf nichts unnötig sein, und das war am Anfang echt schwer für mich, weil ich gleich eher Themen hatte für Romane. Und meine Kurzgeschichten waren dann auch sehr detailliert und das hab ich auch da auf Scribophile dann erfahren, weil viele, die halt vorher schon Kurzgeschichten schrieben, und ich nicht, die meinten auch, „oh, man merkt, du schreibst eher Romane, gell?“ Ich so, „ja!“ Aber ja, ich weiß auch nicht, ich mag’s halt wirklich, wenn man viel Zeit hat, die Charaktere zu entwickeln, [zu] beschreiben, und bei diesen kurzen Sachen, da… ist nicht einfach, aber es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Also, das mach ich gerne jeden Tag, weil die auch schneller fertig sind, ne, also so’n Roman. Und dann kannste sie auch schneller überarbeiten und schneller rausschicken an Magazine, und das ist immer ganz spannend, zu sehen, ob es ankommt oder nicht. Naja. Ich mag [es] halt auch immer, ein bisschen Humor rein[zu]bringen, jetzt nicht immer, aber klar, wenn’s passt. Ansonsten mag ich auch gerne Storys mit fantastischen Elementen, also auch ein bisschen Seltsames in unserer Welt irgendwie. Ja, unterhaltsam sollen sie auch sein. Also, ich schreib auch gern das, was ich natürlich gern lese, und auch über Themen, die mich halt interessieren und die ich weiterverfolgen möchte, wie jetzt Musik, Neurologie, Psychologie, find' ich interessant. Und ja, einfach emotionale, komplexe Charaktere, das find' ich dann immer ganz spannend zu schreiben.
Lisa: Du hast ja eben gesagt, du weißt eigentlich schon, wie es endet, aber ist es so, dass du sehr viel planst oder ist es so, dass du es eher spontan machst und dann hinterher noch mal neu planst oder strukturierst?
Tonia: Gute Frage. Ja, also, ich denk', dadurch, dass ich jetzt nun einen Roman bisher geschrieben hab, kann ich jetzt echt nicht sagen, das ist mein Prozess. Ich denke, vielleicht ändert sich das ja von Roman zu Roman. Aber für Kurzgeschichten hab ich null Plan. Also da schreib ich wirklich drauflos. Ich hab irge